Aktenzeichen B5 ungedöst: Ivanova im Interview und der schleimende Senator

Willkommen zu einer spannenden Reportage von unserer Lieblingsstation. Die erstaunlicherweise keinen Presseoffizier beschäftigt, der lästige Interviewanfragen abwimmelt. Und schon steht das Kamerateam mit vom Föhrer persönlich unterzeichneten Drehgenehmigung auf der Luftschleusenmatte.

Eigentlich würde Ivanova diese mitsamt Inhalt gerne wieder nach draussen öffnen, konnte aber durch ein traumatisches Kindheitserlebnis, das Doctor Franklin mit traurigen Dackelaugen in die Kamera vorträgt, davon abgehalten werden. Apropos Dackelaugen: Zum einen haben wir ausgiebig über Marys Möpse diskutiert (das aber rausgeschnitten und exklusiv unseren Patronen zur Verfügung gestellt) und zum anderen wurde offenbar Ivanova als Wachhund an die Seite des Kamerateams gestellt und passt auf, dass sich niemand um Kopf und Kragen redet

Lt Corwin (der hier das erste Mal einen Namen erhält) macht (betont) gute Miene zum bösen Spiel. Denn er spürt bereits die stechenden Blicke seiner Vorgesetzten im Rücken, die sich auf dieser Station auch schnell in PPG-Schüsse verwandeln können, wenn man was falsches sagt oder fragt.

Und so erleben wir eine Babylon 5 Episode, die erzählerisch und kameratechnisch deutlich aus der Reihe fällt. In Interviews erzählen unsere Protagonisten, was sie so motiveriert, bei dem was sie auf der Station denn eigentlich so machen. Falls sie überhaupt was machen.

Was? Ich bin Sicherheitschef? Warum hat mir das niemand gesagt? Ich dachte, ich wäre Michael Rach, der Stations-Restaurant-Tester!

Dank Sheridans Medientraining wirken sogar Garibaldi und Franklin relativ kompetent vor der Kamera. Londo gibt den Stahlemax und selbst G’Kar hat sich ein paar Komparsen engagiert, weil er das mit dem Hintergrundgespräch etwas falsch verstanden hatte

“Jo, man! G’kar and the gang in the house, jo. Werfen Centauri gleich raus, jo! Wenn die uns neppen, hier Waffen reinschleppen, dann setten wir Fire to the house jo!”
Das ist vermutlich die merkwürdigste Fernsehansprache vor dem Amtsantritt von Donald Trump

Unser Vorlonenbotschafter macht es richtig und schiebt gleich den Rückwärtsgang rein, als er das Kamerateam kommen sieht. Und Delenn stellt sich im Interview dermaßen unbeholfen an, dass man vermuten muss, dass die Neugeburt ihres Kopfes zwar aussen schon abgeschlossen ist, drinnen sich aber noch einige Synapsen festigen müssen.

Ein Gesichtausdruck spricht tausend Worte. DAS Interview ging eindeutig in die Hose

Aber immerhin erhalten wir ein paar Informationen über Minbar. Dort ist es sehr frostig und deshalb klingen selbst Komplimente wie dahingehustetes Klingonisch. Zumindest in der religiösen Kaste. Denn, wer hätte das gedacht, Minbari haben nicht nur 3 Kasten sondern jede auch noch ihre eigene Sprache.

Raphael: "Minbari sprechen halt mehr aus Gefühl als aus Grammatik"
Sascha: "Und es gibt halt nur 3 Fälle"
Mary: "Kein Wunder daß die 3 Kasten sich nicht verstehen"
Raphael: "Naja, wahrscheinlich gibt es auch einen in der Arbeiterklasse, 
         der die Arbeit hat zu übersetzen."
Mary: "Der hat aber viel zu tun....."
Raphael: "Es gibt halt keine Arbeitslosigkeit auf Minbar. Jeder Bäcker
      aus der Arbeiterkaste braucht noch einen Übersetzer aus der Arbeiterkaste,
      falls wer aus den anderen Kasten zum Einkaufen kommt. 
      Nix Sack Schleck! Hä? Was wollen Sie? Mett?"
Sascha: "Das Kastenbrot!"

Apropos Kasten: Cyntia Talkman (die nicht Talkman heißt) hat zwar schon ein paar mehr oder weniger tolle Interviews (und eine vorgefertigte Meinung) im Kasten, aber was noch fehlt ist so ein richtiger Twist. Den liefern Narn und Centauri freihaus, indem sie sich erst gegenseitig mit Worten und anschließend ausserhalb der Station mit Strahlen um die Ohren hauen.

Sascha:"Ich hatte damit gerechnet, dass Leute mit Stahlhelmen die Bewohner
 in die Luftschutzbunker schicken. Aber wenigstens HAT die Station Shelter."
Raphael: "Muss es glaub ich auch. Es hätte mich gewundert, wenn es sowas 
          nicht gibt"
Sascha: "Wir haben erfahren, wie lange es dauert, die Station zu evakuieren.
        Da wundert mich auf dieser Station nichts mehr. 
        Vermutlich ist - so wie alle Fluchtwege in die Bar führen - auch die
        Bar der Shelter."
Raphael: "Vermutlich."
Sascha: "Tja, wir sind zwar nicht sicher, aber wir haben genug zu trinken!"
Raphael: "Wir sind sicher UND haben genug zu trinken!"

Am Ende ist zwar der Konflikt nicht gelöst, aber die Schiffe. Nämlich aufgelöst. In ihre Einzelteile.

Und so darf jede(r) am Ende nochmal brav Fazit ziehen, ob sich so ein kostspieliges Abenteuer wie Babylon 5 für die Erde überhaupt lohnt, vom Dockarbeiter bis zum schleimigen Senator.

War sonst noch was? Achja: Das Psi-Corps kann nicht nur Gedanken lesen sondern auch Werbespots schalten: Klein Kevin wird von den anderen Kindern der Sonderschule gehänselt, weil er so anders ist, weswegen er sich bei der Klischee-80ger Jahre Serienmutter aushäult. Doch da kommt auch schon der PSI-Cop ins Wohnzimmer gebeamt und stellt fest: Besonders sein ist cool. Jedenfalls, wenn das Besonderssein im Telepathischsein besteht. Und nur ein paar Gehirwäschen und Pomandenpackungen später strahlt der kleine Jonny grenzdebil wie ein FDP-Politiker aus seiner BWLer Visage:

“Arbeit muss sich wieder lohnen!” – “Nein, Jonny! Das Corps ist…” – “Äh..das Corps..ist…äh…Mehr Megaherz für unsere Kinder!” Das komplette Gehirn weggelutscht! Diese Wäsche war wohl etwas zu viel für den kleinen Timmy

Eine zugleich Unter- wie Superschwellige Werbung. Der Graue Rat approves! Und wir lernen noch was. Nämlich, dass der kleine Jimmy tatsächlich auch eins der nervigen Aufzug-Kinder aus TNG war, aber kein Massenmörder.

Und so erfahren wir in einer Reportage – die ja eigentlich die Station vorstellen soll – so ganz nebenbei eine Menge über die Erde, wie sie sich selber sieht und wie der neue Präsident so langsam die Welt so macht, wies ihm gefällt,

Mary: "Die Folge ist durchzogen von Propaganda. Das merkt man aber vermutlich
       erst in der Rückschau, wie viele subtile Sachen da mit einfließen."

Erstaunlich, wie JMS vor mehr als 20 Jahren (!) nicht nur die Unterwanderung der Medien durch von Politikern gesteuerte Fakenews prophezeit hat, sondern auch technisch sowas von den Nagel auf den Kopf getroffen hat. Nehmen wir nur mal das virtuelle Studio, das vor 2 Jahren vom ZDF als die hippe Neuerung seit der Erfindung des Nokia 2210 (das vermutlich beim ZDF immer noch standardmäßig eingesetzt wird) präsentiert hat. Nope! B5 did it!

 

Oder die kleinen Teile, die ständig durch die Luft schwirren und Bilder machen. “Kameradrohnen? Sowas von lächerlich! Sowas wird es NIE geben!” So der neunmalkluge 90ger-Jahre-Sascha bei der Erstausstrahlung. Tja, auch das ist inzwischen völlig normal:

Und auch der damals noch fiktive Sender ist inzwischen Realität geworden – und sendet jeden Samstag um 18 Uhr den grauen Rat:

Tja, was sollen wir da noch sagen? Tolle Folge! Wir vergeben

4,5 von 6 Penisse

Und DAS sollstest Du dir noch ansehen:

Folgende Podcaster waren an dieser Episode beteiligt:

avatar Mary
4,5 / 6
avatar Raphael
4,5 / 6
avatar Sascha
4,5 / 6

Wenn Ihr mögt, schmeißt uns doch was in den Hut:

Der graue Rat bei Patreon

Alex , Gregor , Mary , Raphael , Sascha , Tim

2 Responses to “Aktenzeichen B5 ungedöst: Ivanova im Interview und der schleimende Senator”

  1. Domink Says:

    Hiho,
    ihr stellt ja die These, dass es auf Minbar keine Reporter gibt. In einer späteren Folge erfährt man aber doch, dass es auf Minbar Klatschpresse gibt, oder?

  2. Sebastian Says:

    Ich zücke mal fünf Penisse, natürlich zuerst den, der von meiner Frau am Wenigsten genutzt wird, denn das Format der Folge war super. Heute, 20 Jahre nach der Erstausstrahlung, mag ich dieses sogar noch mehr, auch wenn ein paar Storyplots den fünfte Penis nur kurz hervorschauen lassen, z.B. war die Zerstörung der beiden Schiffe arg salomonisch (bumm hier, bumm da, beide Seiten angepisst, also Alles in Ordnung).

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